Der Amerikanische Traum, oder besser der Amerikanische Virus?

Die pointierteste Schilderung dieser , wie er es bezeichnete, weltweiten Seuche, habe ich vor langer Zeit bei Trevanian, in Shibumi gelesen.

Wo auch immer dieser Virus auftaucht hat er die Kraft alles zu durchseuchen.
Das fängt meist harmlos an mit Kaugummi, Coca Cola und McDonald’s und setzt sich dann in einem radikal kapitalistischen Traum fort, der alles andere in einer Art Generalamnesie fortspült.

Sichtbar so geschehen hier nach dem 2. Weltkrieg und an vielen anderen Orten dieser Welt nach ähnlich radikalen Eingriffen.

War im 20.Jh. noch Krieg und Eroberung Voraussetzung und bevorzugtes Medium für die Verbreitung des Amerikanischen Viruses, so geht das heute -zumindest in meiner Wahrnehmung- mittels global player und Internet weitgehend auch ohne Waffengewalt ab.

 

Zeichen der Infektion sind neben Amnesie -man vergisst einfach die eigene Kultur und Geistesgeschichte- Konsumterror, Energieverschwendung, Intoleranz, Agon-also das Bedürfnis in ständigen Wettkämpfen der Beste zu sein- , Arroganz, Merkantilismus und ein fataler Wirklichkeitsverlust, der in etwa heißen könnte:

Du kannst alles werden, oder jeder sein, der du willst, du musst dich nur genügend anstrengen.
Und wenn du es nicht schaffst, bist du eben ein Versager.

2 Millionen Blogbeiträge täglich, Millionen von Youtube Videos und Facebook Posts, die meisten in englisch, die alle gebetsmühlenhaft das gleiche Zeug wiederkäuen: die ewig selben Gebrauchsanweisung dafür, wie man in diesem System zu sein hat um erfolgreich zu bestehen.

Und keiner protestiert mehr. In den 60ern wusste man noch um die Ironie von Wahrheiten a la facebook:

Eat shit, 10 Million flies cannot be wrong.

Heute muss richtig sein, was 10 Millionen “likes” or “views” hat. Wie gesagt, kollektive Amnesie. Auch dort.

 

Dieses fiese Spiel funktioniert nur, wenn man einen Kontext von Mangel aufrecht erhält.
Also nichts darf “genug” sein. Geld, Sex, Macht, Position. Das “mehr desselben” wird zum Mantra und zur kollektiven Sucht.

Grautöne sind nicht mehr erwünscht. Es gilt nur noch die Suche nach dem Optimum

2nd winner is first looser –
der Zweite ist der erste Verlierer.

Das ist krank und macht krank.

Die Beteiligten – weil es nur scheinbar um sie geht, aber eigentlich Raubbau betrieben wird. Unschwer erkennbar an dem exponentialen Anstieg psychischer Störungen, die zudem immer früher im Leben auftreten.
Und das System – weil der American Dream weder Empathie noch Rücksicht kennt.

In den letzten Jahen mangelt es nicht an Reparaturversuchen.
Allerdings ist dieses System übermächtig und hat ein Momentum, eine Eigendynamik, die scheinbar unaufhaltsam immer mehr Raum auf dem Globus in Besitz nimmt.
Der Virus wird durch Öko, Gewerkschaften und eine Politik der Mitte auch nicht aufgehalten.

Irgendwie sind wir mittlerweile alle nolens volens zu Erfüllungsgehilfen des American Dream geworden.

Heilung ist möglich.

Dafür muss vermutlich als erstes die Amnesie aufgehoben sein.

Also ein Gespür für das, was ich bin, wieder eine Chance haben unter all dem Müll dessen, der ich sein sollte…

 

Mehr dazu

  • Trevanian Shibumi hier eine ausführliche Besprechung
  • Ähnlich kritisch zur Entwicklung: