Aus: The Art of Possibility / Rosamund Stone Zander und Benjamin Zander S. 17 ff – Übersetzung Room to move – alle Rechte vorbehalten.

Wir schlagen vor unserer gewohnte tägliche Welt die Welt des Messens (world of measurement) zu nennen um die zentrale Position hervorzuheben die von Bewertung, Maßstäben, Standards, Noten und Vergleichen eingenommen wird.

In dieser Version der Geschichte des täglichen Lebens strebt jeder von uns nach Erfolg in der Hoffnung an einen besseren Platz anzukommen als an dem, an dem wir gerade sind. Auf diesem Weg -nämlich dem Weg zum Erreichen unserer Ziele– Begegnen wir unweigerlich Widerständen. Einige der geläufigeren sind -neben anderen Menschen- Engpässe an Zeit Geld an Kraft, Liebe, Ressourcen und innerer Stärke.

 

Alle Manifestation der Welt des Messens -Gewinn, Verlust, Akzeptanz und die so sehr gefürchtete Zurückweisung, Hoffnung und Verzweiflung – all das basiert auf einer einzigen Annahme die sich unsere bewussten Wahrnehmung völlig entzieht.  Die Annahme nämlich, dass es in diesem Leben darum geht zu überleben, am Leben zu bleiben und irgendwie durchzukommen – kurz: um das Überleben in einer Welt voll von Übel und Gefahren. Selbst wenn das Leben auf seinem Höhepunkt ist hält diese Annahme in der Welt des Messens das Lebens immer in Schranken und sorgt dafür dass die Welt der Möglichkeiten (the world of possibilities) außerhalb unserer Reichweite bleibt.

 

Das führt zu einer Betonung bestimmter Verhaltensweisen die dazu geeignet sind einer solchen Welt zu überleben: Wachsamkeit gegenüber Gefahren, einen kluger strategischer Geist, das Auge um Freund und Feind zu erkennen, die Begabung Schwäche von Stärke zu unterscheiden, Misstrauen und eine gute Portion Furcht . All diese Qualitäten brauchen wir um uns in Sicherheit zu fühlen. Und ebenso elementar für Überleben ist es unsere Rüstung in Ordnung zu halten . D.h. alle Herausforderungen unseres persönlichen Standpunktes abzuwehren.

 

Wir fühlen uns deutlich sicherer wenn wir alle Objekte identifizieren können und wenn möglich ihren Standort kennen. Ein Indiz dafür ist, dass der Begriff Minenfeld  eine allgemein akzeptierte Metapher für Gefahr ist. Es fühlt sich sicherer an, wenn wir mit der Wirklichkeit so umgehen als ob sie etwas statisches und festgelegtes wäre, als ob Menschen Ideen und Situationen komplett erkannt werden und gemessen werden können.

 

Wir sind in einer Welt des Messens aufgewachsen. In dieser Welt lernen wir uns und die Dinge gegenseitig kennen in dem wir uns miteinander messen, uns vergleichen uns in Beziehung setzten. Wir kennen ein Kind im Vergleich zu anderen Kindern, eine Aufführung einer Puccini Arie eines lokalen Tenors im Vergleich zu Pavarotti, oder den Jahresabschluss eines Unternehmens  im Vergleich zu den vorher abgegebenen Prognosen. Um eine Position einnehmen zu können die es uns ermöglicht die Dinge zu vergleichen zu beurteilen und den Umständen entsprechend zu beschreiben, tritt das Individuum in den Hintergrund , und nimmt sich selbst -und in der Erweiterung auch seine Gruppe- als getrennt von anderen wahr.

 

Die so sehr geschätzte kleine Stimme im Kopf spricht nahezu immer von einer zentralen Position in der Welt des Messens. Dort scheint das Leben in Hierarchien angeordnet zu sein: manche Gruppen, Menschen, Körper, Orte, und Ideen scheint besser zu sein oder kraftvoller als andere. Linien erscheinen, die Innen von außen trennen. Manche Menschen, Rassen, und Organisationen sind sicher und es scheint  erstrebenswerter zu ihnen zu gehört als zu anderen. Und: der Kuchen hat immer nur eine begrenzte Anzahl von Stücken.

 

Der dramatische Teil in dieser Welt von Erfolg und Misserfolg hat damit zu tun wie man Schwierigkeiten und Hindernisse überwindet und erfolgreich wird oder anders ausgedrückt wie man anerkannt wird und mit dazugehört. Nahezu jedes Kinderbuch, jede neue TV Serie folgt diesen Muster:  Wettbewerb ist der (einzige) Weg zum Erfolg und Metaphern die auf Wettkampf, Sport und Krieg basieren werden auf nahezu jede Situation angewandt.

 

Unterhaltungen zwischen Freunden werden zu einer Aufzählung persönlicher Erfolge und Triumphe. Bestimmte Gefühle spiegeln das Rauf und Runter, die Wege des Schicksals, in der Welt des Messens: Liebe für unser eigenes Schicksals zum Beispiel; Sympathie für diejenigen die schwächer sind als wir selbst; Furcht, Angst, Verzweiflung vor Verlust und natürlich der Jubel wenn wir es geschafft haben und am Gipfel angekommen sind.

Ganz gleich ob wir in dem Schoß des Luxus leben oder ärmlichen Verhältnissen: nahezu jeder wacht morgens auf mit der völlig unbewussten Annahme auf dass  das Leben ein Kampf ums Überleben ist und dass es darum geht möglichst weit vorne anzukommen in einer Welt begrenzter Ressourcen.